Die UN in Mannheim

Die UN in Mannheim

Für einen Tag hat sich das Barockschloss Mannheim in einen Verhandlungsort für die Simulation der Vereinten Nationen verwandelt: Studierende der Universität Mannheim und anderer Hochschulen schlüpften in die Rolle von Diplomaten, um über globale Herausforderungen und deren Lösungen zu debattieren. David Nowak, Fabian Pfeffer und Selina Kuang berichten aus dem simulierten Sicherheitsrat der Model United Nations “Mini Conference“. 

Um die Vereinten Nationen so realitätsnah wie möglich zu simulieren, setzt die Hochschulinitiative Model United Nations (MUN) auf Authentizität. Dafür sorgen ein aktuelles Themenspektrum und eine strukturierte Geschäftsordnung mit Debattierrunden und einem diplomatischen Codex durch Gremienvorsitzende. Während in der diesjährigen Konferenz zahlreiche Delegierte den Standpunkt ihres jeweiligen Landes zum Waffenhandel im Komitee DISEC (Disarmament and International Security Committee) äußerten, wurde wenige Räume weiter im Sicherheitsrat über den Bürgerkrieg in Libyen diskutiert. So betonte der “Vertreter der von den Vereinten Nationen anerkannten Regierung Libyens” von Anfang an das Prinzip der Staatssouveränität in Ablehnung gegen die von anderen Mitgliedstaaten vorgeschlagenen militärischen Interventionen. 

Um einen Konsens zu erreichen, berieten sich die ständigen Mitglieder über die Zukunft Libyens in einer selbstmoderierten Diskussion, die einstimmig beendet wurde. In Kooperation mit allen Beteiligten wurde eine gemeinsame Resolution verabschiedet. Der Weg dahin war nicht leicht, Kompromisse mussten unter anderem bei der Stationierung ausländischer Truppen, der Bezeichnung “libysche Regierung” und beim Waffenhandel in Libyen gemacht werden.  

Als Repräsentant Chinas berichtete David Nowak, wie die Konferenz aus der Sicht eines Delegierten verlief. Seine Verhandlungsposition ließ sich am besten mit den vier Prinzipien beschreiben, welche der chinesische Außenminister Wang Yi bezüglich Chinas Strategie im libyschen Bürgerkrieg umschrieb:  

  1. Respekt für Libyens territoriale Integrität und Souveränität.
  2. In Verhandlungen sollten alle Parteien ihre Dispute politisch beilegen.  
  3. Der Konsens im Kampf gegen den Terrorismus sollte ausgebaut und die Kooperation in dieser Hinsicht verstärkt werden.  
  4. Die Sorgen von Nachbarstaaten sollten ebenfalls berücksichtigt werden.

Diese Position ergibt sich, da China einerseits Interesse an einem stabilen Libyen hat – denn das Land investiert viel Geld in Libyen und anderen afrikanischen Staaten. Zusätzlich versucht das Land, sich durch eine nach außen verkörperte Politik des Respekts gegenüber des regionalen Regimes und des Nicht-Eingreifens vom Westen abzugrenzen, um somit eine Alternative zur westlichen Unterstützung anzubieten. In Wahrheit wird diese Politik zwar nicht immer befolgt und ist nicht ohne Skeptiker geblieben, in den Verhandlungen ermöglichte sie aber, einen schnellen Basiskonsens mit den meisten anderen Ländern zu finden, der letztendlich auch in die Resolution getragen wurde. 

Das eintägige UN-Planspiel war nur ein Vorgeschmack auf die anstehende Debatte in Panama, auf die sich Studierende auf der ganzen Welt intensiv vorbereiten: Die Harvard WorldMUN, die Olympiade der MUN-Konferenzen, im nächsten März. Hier wird auch eine Delegation aus Mannheim unter den Komitees dabei sein. Bis jetzt geht die Mannheimer WorldMUN Delegation, die bei der letzten Konferenz in Kanada antrat, mit der Auszeichnung „Diplomacy Award“, die den überzeugendsten und authentischsten „Teilzeitdiplomaten“ als Gewinnerpreis verleiht wird, als bisher erfolgreichste Delegation in die Mannheimer Vereinsgeschichte ein. Wer nächstes Jahr in Panama im Namen der Universität Mannheim die japanischen Interessen bei den Komitee-Sitzungen vertreten wird, wird sich bald in einem mehrtägigen Auswahlverfahren herausstellen. 

Von Selina Kuang, David Nowak & als Gast, Fabian Pfeffer