Historische Chance verpasst

Historische Chance verpasst

Am Ergebnis der heute stattgefundenen Rektorwahl gibt es auch Kritik, wie zum Beispiel jene in dem folgenden Kommentar. Dessen Autor*in, der*die unkenntlich bleiben möchte, ist in den verschiedensten Ecken der Hochschulpolitik zuhause und war bei der heutigen Wahlveranstaltung nur Zuschauer*in. Seine*ihre persönliche Meinung spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.


Historische Chance verpasst

Prorektor Puhl wird neuer Rektor an der Universität Mannheim. Ein Kommentar.

Soeben haben Senat und Universitätsrat der Uni Mannheim einen neuen Rektor gewählt – eine einzige Stimme Mehrheit sorgte nach zwei Wahlgängen für die Entscheidung für Prorektor Puhl. Und damit für das Verpassen einer historischen Chance: Mit Eva Martha Eckkrammer hätte die Universität Mannheim nicht nur eine kompetente Kämpferin für ihre Anliegen, sondern auch die erste Rektorin ihrer Geschichte und die derzeit einzige Rektorin in Baden-Württemberg wählen können. Tja, war wohl nichts.

Doch woran lag das? Wer ist verantwortlich dafür, dass die Universität Mannheim auch weiterhin den Ruf einer Macho-Uni haben wird? Mit einem Rektor, der vor versammelter Universität erklärt, Gleichstellung sei jetzt zwar nicht so sein Thema, aber er könne das schon verstehen – schließlich habe er ja “auch drei Töchter”?  Wir können natürlich nur Vermutungen anstellen, denn die Öffentlichkeit war zwar zu den Wahlgängen und der Ergebnisverkündung eingeladen, durfte aber nicht bei der Aussprache dabei sein. Die stellen wir uns in etwa so vor:

Senator 1: “Boah, ist das anstrengend hier! So kurz vor Weihnachten. Wie viele Wahlgänge sind möglich, vier? Geht das nicht ein bisschen schneller?”

Senator 2: “Genau, wenn sich nur zwei von euch umentscheiden, können wir um fünf Uhr Feierabend machen. Also, auf geht’s! Ihr wollt doch keine Spielverderber sein? Jetzt wählt halt den Thomas, der macht das schon.”

Der Vorsitzende des Universitätsrats, Dr. John Feldmann (rechts) gratuliert Prof. Dr. Thomas Puhl (links) zur Wahl. | Foto: Universität Mannheim

So oder so ähnlich wird es wohl gewesen sein. Doch halt!, denkt sich die informierte Leserin – gibt es nicht noch eine Person in diesem Gremium, die genau solche Dialoge verhindern sollte? Die als Bastion gegen Sexismus und Männerklüngel, als Lanzenträgerin gegen die gläserne Decke dient? Richtig, nach dem Landeshochschulgesetz gibt es sie: die Gleichstellungsbeauftragte. Und was hat die Gleichstellungsbeauftragte getan, als es um die Entscheidung zwischen einer hochgradig engagierten alleinerziehenden Mutter und einem über sechzigjährigen Juristen ging? Nichts. Offensichtlich spielt Gleichstellung selbst für die Gleichstellungsbeauftragte der Universität, die einzig und allein aus diesem Grund im Senat stimmberechtigt ist, eine nachrangige Rolle. Wie sagt man so schön? “You had one job.”

Die starke Zerrissenheit des Senates – erst für, dann gegen Eckkrammer – zeigt aber auch, wie polarisierend diese Wahl für die Universität war. Eckkrammer hätte frischen Wind gebracht, wurde aber für ihre Impulsivität gefürchtet. Puhl hingegen steht bei seinen Befürworter*innen für Kontinuität. Andere sagen: Ein Bremser.

Wie auch immer die Wahl zu bewerten ist – Konsequenzen wird sie nicht nur für die Beteiligten, sondern für alle Mitglieder der Universität Mannheim haben. Und ihr knapper Ausgang hoffentlich auch für unseren zukünftigen Rektor.