„Nachhaltig sein bedeutet nicht gleich Verzicht“

„Nachhaltig sein bedeutet nicht gleich Verzicht“

Nora und Lucas studieren beide BWL an der Universität Mannheim und sind Mitglied in der Hochschulinitiative Green Office, die zusammen mit der gahg Mannheim, GHG Heidelberg und vielen weiteren Initiativen und Studierenden letzten Monat erneut die „Hochschultage Nachhaltigkeit“ veranstaltet hat. Von Vorträgen, Spirit-Veranstaltungen, Workshops, einer Filmvorstellung und Podiumsdiskussion bis hin zu Kleidertauschen im Café Vogelfrei und einer Party in der Kaprowbar – so bunt wie das Team der Beteiligten war auch das Programm. Vergangene Woche haben sich Nora und Lucas mit der bAStA über die Themenwoche „Bash the Trash – Zukunft nicht wegwerfen!“ und den Status, den Nachhaltigkeit an unserer Universität hat, unterhalten.


Die bAStA: Welche persönliche Motivation steckt hinter eurem Engagement für die Hochschultage Nachhaltigkeit?

Nora: Wir möchten die Studierenden aus Ihrer gemütlichen Komfortzone locken und sie dazu bewegen, aktiv etwas verändern zu wollen. Themen wie die Wegwerfgesellschaft und die Müllproblematik lösen sich nicht durchs Zuschauen. Ich denke, wir haben es geschafft, bereits interessierte Studierende zu ins Boot zu holen und sie zu motivieren, sich ebenfalls zu engagieren. Wir hoffen auch, dass KommilitonInnen, die das Thema noch nicht für sich entdeckt haben, dem Thema Nachhaltigkeit durch unsere Aktionen in Zukunft mehr Relevanz schenken.

Lucas: Uns war es grundsätzlich wichtig, durch größere und kleinere Einflüsse Impulse und Anregungen zu geben…

Nora: Es muss nicht immer plakativ sein oder ein extremes Statement gesetzt werden, aber das Bewusstsein soll geweckt werden.


Welchen Status sollte nachhaltiges Handeln an der Universität Mannheim haben?

Lucas: An unserer Uni genießt ja besonders die Wirtschaft große Wichtigkeit – gerade deshalb ist es in unserer Zeit wichtig, Nachhaltigkeit in den Fokus zu setzen. Da muss an unserer Uni noch mehr passieren. Wenn AbsolventInnen später in mehr oder weniger hohen Positionen arbeiten und vor Entscheidungen in Unternehmen stehen, sollten diese ökologisch verantwortlich und nachhaltig getroffen werden.

Nora: Genau. Wenn es an einem Ort wie der Universität, wo es keine anderen größeren primären Sorgen gibt, nicht möglich ist, die Augen für Umwelt und Nachhaltigkeit zu öffnen – wo dann?


Welches Resümee konntet ihr nach den Veranstaltungen der Hochschultage Nachhaltigkeit ziehen?

Lucas: Wir sind sehr zufrieden – die Veranstaltungen waren gut besucht, das Feedback der TeilnehmerInnen war positiv und es gab nur wenige Komplikationen. Im nächsten Jahr wollen wir allerdings die Zusammenarbeit mit den Unis Mannheim und Heidelberg verbessern und intensivieren, damit mehr Mannheimer zu Veranstaltungen in Heidelberg kommen und umgekehrt.

Nora: Ein besonderer Erfolg war die Podiumsdiskussion unter der Leitfrage „Shoppen mit Papiertüten – Gibt es eine nachhaltige Konsumgesellschaft?“. Der Hörsaal war fast voll! Unterschiedlichste Meinungen wurden laut. Beim Verteilen von geretteten Lebensmitteln waren die Reaktionen gemischt. Der Begriff „Müll“ ist für viele leider noch negativ konnotiert. Aber zum Beispiel die Brote und Brötchen, die abends beim Bäcker übrigbleiben, sind nichts Schlechtes, sondern genauso wertige Lebensmittel, wie sie es vor Ladenschluss waren.


“Play the Trash!”: Beim Opening auf der Mensawiese standen Spielgeräte bereit, die allesamt aus vermeintlichem Müll hergestellt sind.


Sind Mitglied in der Hochschulinitiative Green Office: Nora und Lucas.


Reges Treiben: Der Markt der Möglichkeiten in der alten Lehrbuchsammlung am Freitag, den 27. April.


Unsere Uni bemüht sich gerade um den Titel “Fairtrade-University” – was hat es damit auf sich?

Lucas: Um mit dem Titel ausgezeichnet zu werden, muss eine Hochschule bestimmte Kriterien erfüllen, z.B. Fairtrade-Produkte verkaufen oder Veranstaltungen zum Thema Fairtrade anbieten. Das Projekt gibt es seit einigen Wochen und es konnte nun Hand in Hand mit den Hochschultagen Nachhaltigkeit für mehr Aufmerksamkeit in der Thematik des nachhaltigen Unialltags sorgen.


Ist unsere Uni denn bereits auf einem guten Weg?

Nora: Ja, das Bewusstsein wächst auf jeden Fall, Umweltschutz und nachhaltiger Konsum werden zum Glück auch immer trendiger in unserer Generation. Initiativen wie Infinity arbeiten an super Projekten, wie dem MACup (Die bAStA berichtete, hier geht’s zum Artikel!). Trotzdem wäre es ein großer Fortschritt, wenn von Seiten der Hochschulverwaltungsebene mehr Unterstützung käme.

Lucas: Anhand von anderen Ländern sieht man, dass es auf jeden Fall noch besser gehen kann. An der Universität Maastricht hat das Green Office einen eigenen Bürokomplex…

Nora: …und Studierende arbeiten gemeinsam mit universitären MitarbeiterInnen auf verschiedensten Wirkungsfeldern, um die Hochschule in allen Bereichen so nachhaltig wie möglich auszurichten.


Wie können wir Studierenden denn selbst tätig werden?

Lucas: Nachhaltigkeit ist grade in den kleinen Dingen des Alltags leicht umzusetzen – dazu braucht es nur ein bisschen Aufmerksamkeit! Du musst dich in gar nichts einschränken, nachhaltig sein bedeutet nicht gleich Verzicht.

Nora: Es muss es uns wert sein, bewusst zu handeln. Und der perfekte Punkt ist dann erreicht, wenn wir ganz unbewusst „bewusst“ handeln. „Kein Wasser verschwenden“ ist ja eigentlich das rationalste Prinzip der Welt, trotzdem halten wir uns nicht immer daran.

Lucas: „Mach den Wasserhahn zu, nimm weniger Papiertücher, kaufe regionale Produkte.“ Das sind eigentlich ganz banale Sachen, kein Hexenwerk. Nachhaltigkeitsbewusstsein erfordert keinen großen Aufwand!


Die bAStA sagt danke für das Interview! Übrigens findet am 12. Mai das Nachhaltigkeit² Festival auf der Mensawiese statt! http://www.facebook.com/infinitymannheim.de


Das Interview führte Solveig Bähner